Samstag, 18. Juni 2016

Rezension: Ziemlich nah am Glück


Titel: Ziemlich nah am Glück
Autorin: Saira Shah
ISBN: 978-3-442-48224-5
* erschienen bei: Goldmann

Klappentext:
Anna und Tobias haben große Pläne: Sobald ihre Tochter geboren ist, wollen sie in die sonnige Provence ziehen, wo Anna eine Kochschule eröffnen möchte. Doch ihr Wunschkind Freya kommt behindert zur Welt, und ihr Traum droht durch den Schicksalsschlag zu zerplatzen. Anna aber gibt nicht auf und zieht mit Freya und Tobias in ein baufälliges Haus auf dem französischen Land. Verzweifelt kämpft sie gegen alle Enttäuschungen und Rückschläge an, und auch wenn das Leben ihr immer neue Steine in den Weg legt, erkennt sie schließlich, dass es auch aus dem größten Unglück einen Weg zum Glück gibt, wenn man ihn gemeinsam geht ...

Meine Meinung:
Aufgrund des ansprechenden Covers und des Klappentextes, habe ich mich sehr auf eine bewegende Geschichte gefreut, bei der ich mit den Protagonisten "mitleiden" kann. Leider kam dann aber alles ganz anders. Nach etwa 50 Seiten musste ich das Buch erstmal beiseite legen und etwas anderes lesen... nach einer Pause konnte ich es beim zweiten Anlauf dann packen. Tobias, Ehemann - Vater der behinderten Freya - Musiker - entpuppte sich als grauenhaft unsymphathischer Mensch. Er war der Meinung, er dürfe keinesfalls eine Zuneigung zu "dem Kind" entwickeln, damit es ihm dann nicht so schwerfällt, wenn es dann mal stirbt oder wenn sie es weggeben. Es war ständig die Rede davon, das Kind einfach im Krankenhaus zurückzulassen und somit staatliche Stellen zur Versorgung des Kindes zu zwingen. Für mich hatten die geschilderten Gespräche nie etwas mit schwarzem Humor zu tun, sondern haben mich einfach nur entsetzt und waren kaum auszuhalten.

Anna, die zuerst ganz heftige Mutterliebe entwickelte und die Ablehnung der Tochter durch ihren Mann unverständlicherweise stoisch hinnahm, drehte im Laufe des Buches irgendwann völlig am Rad. Sie lässt den Mann (der irgendwann doch seine Liebe zulassen kann und sich wie ein Mensch verhält) und Kind im Krankenhaus zurück, haut ab nach England, um sich bei einer Scheidungsanwältin beraten zu lassen und wird bei einer Praxis für künstliche Befruchtung vorstellig, weil sie plötzlich gesunde Zwillinge von einem Samenspender haben will?! Erfreulicherweise kam sie daraufhin aber wieder zur Besinnung und alles wird gut... soweit es eben gut werden kann...

Natürlich ist die Geburt eines Kindes mit einer schweren Gehirnschädigung für die Eltern ein großer Schock und alles andere als ein Zuckerschlecken, gar keine Frage. Aber die Reaktionen, Handlungen und Aussagen  der Protagonisten erschienen mir wie von einem anderen Stern!

Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar! Ich muss aber leider ehrlich gestehen, hätte ich das Buch unter anderen Umständen gelesen (und keine Rezension schreiben sollen oder wollen) hätte ich es nach den ersten 50 Seiten in hohem Bogen in die Ecke gepfeffert und gar keinen zweiten Anlauf unternommen, es fertigzulesen. Somit von mir keine Leseempfehlung - aber es schadet ja grundsätzlich nicht, sich eine eigene Meinung zu bilden, falls es jemand lesen möchte : -) Ich hab durchaus schon positive Rezensionen zu diesem Buch gelesen.

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